Interview
mit Claudius Pyrlik | Personal Fitness Coach der EOL
1. Claudius, kannst Du bitte kurz Deinen Werdegang beschreiben?
Ich bin 1973 in Freiburg auf die Welt gekommen, aufgewachsen in Limburg, habe dort das Abitur gemacht und parallel eine siebenjährige musikalische Ausbildung mit Klavier und Chorgesang (Limburger Domsingknaben) genossen. Mit 14 bin ich dann zum Fußball gewechselt und bin dabei bis zum Beginn meiner zweijährigen Bundeswehrzeit geblieben. In dieser Zeit habe ich dann auch mit dem Triathlonsport begonnen. 1994 habe ich dann hier in Gießen mein Studium mit den Fächern Sportwissenschaft, Politik und Germanistik begonnen, dies bis zur Zwischenprüfung auch ernsthaft betrieben. Mit steigenden Erfolgen im Triathlonsport habe ich das Studium immer mehr zurückgeschraubt und in den Jahren 2000-2004 den Sport als Profi bestritten. Bei 49 Trainingswochen im Jahr und 30-45 Stunden Training pro Woche lief das Studium nur noch nebenher. Gleichzeitig war ich als Leichtathletiktrainer tätig. Ende 2003 begann ich mir eine eigene Agentur mit den Geschäftsfeldern Events, Firmen Fitness, Online- und Personal Coaching aufzubauen. Das stetige Wachstum führte dazu, dass ich meinen Trainingsumfang zurückschrauben musste, trotzdem noch international erfolgreich war, aber im August 2008 mich entschlossen habe, meine aktive Karriere zu beenden und mich voll und ganz auf meine mittlerweile auf 4 Mitarbeiter angewachsene Agentur zu konzentrieren.
2. Was war der Impuls Fitnesstrainer zu werden?
Zum Einen ist das ja nur ein Teil meiner Tätigkeit, zum anderen arbeite ich unheimlich gerne mit Menschen zusammen und habe schnell gemerkt, dass meine Konzepte erfolgreich sind. Den einen Impuls bzw. Moment gab es da nicht, den ich hier benennen könnte, ich bin da eher meinen Präferenzen und Qualitäten gefolgt.
3. Wie motivierst Du Dich?
Als aktiver Sportler war das nie ein Problem (oh nein, schon wieder dieses Unwort J) , ich bin auch bei 5 Grad Außentemperatur und Nieselregen 150km Rad gefahren und anschließend noch 10km gelaufen, ganz einfach weil ich immer ein Ziel vor Augen hatte und wusste was ich zum Erreichen in Vorbereitung leisten bzw. trainieren musste. Wenn ich in bestimmten Situationen Motivationsprobleme hatte, habe ich mir meine Konkurrenten vorgestellt, dass die jetzt wahrscheinlich gerade beim Schwimmtraining oder sonstigem Training sind und dadurch schneller werden und schon hatte ich die Trainingsklamotten an und bin rausgegangen. Im Beruf habe ich das Motivationsmodell im Prinzip übertragen; ich weiß genau wo ich wann mit meiner Agentur stehen will und unternehme alles in meiner Macht und Kompetenz stehende um diese Ziele zu erreichen. Ob als Sportler oder aktuell im Beruf bedeutet für mich ein Erreichen eines Ziels, das Einfahren eines Erfolgs nicht ausruhen, sondern ich setzte mich ganz bewusst hin und formuliere für mich das nächste Level, in bestimmten Fällen steht das dann auch in Neonlettern an meiner Pinwand.
4. Was ist die größte Herausforderung als Trainer?
Die größte Herausforderung macht für mich auch den größten Reiz an dieser Aufgabe aus. Jeder Coaching Kunde hat eine eigene Historie und einen sehr individuellen körperlichen Zustand. Das bedeutet, dass ich bei jedem Termin andere Dinge berücksichtigen, für jeden ein eigenes Konzept haben muss. Dazu kommt der ganzheitliche Ansatz bei dem man u.a. Faktoren wie psychische Belastungen und Anforderungen des Arbeitsalltags berücksichtigen und immer wieder tagesaktuell seinen vorgefertigten Plan anpassen muss.
5. Wie entstand der Kontakt zur EOL?
Im August 2008 rief mich eine Sekretärin der EOL an und bat um einen Termin bezüglich Personal Coaching für Ihren Chef. Bei diesem habe ich Alexander und Ruth kennen gelernt, kurz meine Vorgehensweise erläutert, erfahren was die Erwartungen an mich sind und anschließend ein Angebot mit Betreuungsverlauf gemacht. Wir haben uns dann schnell auf ein Personal Coaching für beide geeinigt und mit dem Training begonnen.
6. Und wie kam es zu der Kooperation mit der EOL?
Alexander fragte mich Ende November 2008, ob ich mir vorstellen könnte, das Coaching im Rahmen eines Firmen Fitness Programms, auf das EOL Team auszuweiten. Spontan habe ich zugesagt und mir verschiedene Möglichkeiten überlegt, bei denen wir uns dann gemeinsam entschieden haben, zweimal in der Woche ein Personal Coaching workout interessierten Mitarbeitern und einmal in der Woche ein Gruppentraining, das EOL Spinning, anzubieten. Anschließend haben wir eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart und Michael hat für alle die Verträge mit dem Fitnessstudio angeschlossen.
7. Wie ist die Resonanz auf das Sportangebot?
In der Summe der Interessierten erst einmal sehr groß. Inklusive Alex und Ruth trainieren jetzt 22 EOL'er bei mir. Ich hoffe nur, dass alle sich bewusst sind was da an Benefit von Seiten ihres Arbeitgebers dahinter steht. Trainerkosten, Studiokosten, bei einigen auch noch die Minicargebühren, da kommt schon am Ende des Tages eine gute Summe heraus und das Erbringen dieser Leistung ist sicher keine Selbstverständlichkeit und sollte auch als einzigartiges Privileg geschätzt werden. Da bisher auch alle, trotz der Anstrengungen, mit Spaß bei der Sache sind und viele nach jetzt knapp 6 Wochen Coaching erste Effekte bemerken, nehme ich eine durchweg positive Resonanz wahr.
8. Warum ist Sport so wichtig für die Mitarbeiter?
Als Mitarbeiter der EOL ist man unter Erfolgs- und Termindruck. Dabei ist man neben den fachlichen- und kommunikativen Fähigkeiten unabdingbar auf körperliche Fitness angewiesen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Dabei zeigt die Erfahrung; je höher die Position, je größer die Verantwortung, desto wichtiger wird letzteres Attribut. Termindruck und Stress, die Wohnsituation im Hotel führen zu schlechter Ernährung und Bewegungsmangel was wiederum zu Übergewicht und eine schlechten Körpergefühl führt. Rückenschmerzen, Konzentrationsmängel und ständige Erkältungskrankheiten sind weitere Folgen. Aus dieser Zwickmühle gibt es nur eine Lösung und diese findet sich im Fitness Coaching, kombiniert mit einer Ernährungsberatung (die wir gerade beginnen). Nur in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist und je extremer der Arbeitsalltag, desto wichtiger ist der körperliche Ausgleich.
9. Nehmen die Emotionen/Stimmungen der Mitarbeiter Einfluss auf das Training?
Ganz klar beantwortet, JA! Mitarbeiter mit wenig Selbstbewusstsein, die durch ein Negativerlebnis niedergeschlagen zum Training kommen, müssen durch ein persönliches Erfolgserlebnis im workout erst einmal wieder aufgebaut werden um überhaupt das Training bis zum Ende durchzuziehen. Bei starken Persönlichkeiten führt es in solchen Situationen zu einem aktiven Frustabbau über große Anstrengungen, die - wenn Sie nicht durch den Coach kontrolliert werden - leicht und schnell zu Überlastungsschäden führen können. Extreme gedankliche Beschäftigung mit einem Thema lässt einige erst nach 10-15 Minuten Training und dadurch erfolgender Ablenkung richtig im Fitnessstudio ankommen. Gerade emotionale Typen bringen ihre kompletten sozialen Eindrücke mit zum Training und hier kommen wir wieder auf die ganzheitliche Betrachtungsweise zurück die besagt, dass in solchen Situationen die Belastung angepasst werden muss.
10. Die Mitarbeiter trainieren im Team. Wie wichtig ist dieser Aspekt?
Neben dem auf der Hand liegenden Aspekt, dass Sie sich besser kennen lernen ist die Verbesserung des Teamgedankens natürlich vordergründig zu nennen. Bei der Aufgabenkomplexität im EOL Alltag müssen Teams/Arbeitsgruppen gebildet werden, da Informationsverarbeitung, Steuerung und Verantwortung nicht mehr problemlos von Einzelpersonen gemanagt werden können. Da das Funktionieren dieser Gruppen von gegenseitiger Akzeptanz, Vertrauen und auch Sympathie abhängig ist und soziale Kompetenz nicht in allen Fällen gleich stark ausgeprägt ist, findet eine Verbesserung aller Komponenten im gemeinsamen Sporttreiben statt. Wer beim trainieren seinem Kollegen Hilfestellung leistet, ihn anfeuert und vor ihm Schwäche oder Stärke zeigt, nimmt direkt ungewollt Einfluss auf den Umgang im Arbeitsalltag.
11. Hast Du abschließend einen ultimativen Fitness-Tipp?
Konkrete Fitness Tipps bezogen auf Trainings-Methodik oder Trainings-Inhalt sind nur schwer zu geben, da wir uns dabei im individuellen Bereich bewegen. Allgemein kann ich aber zwei Dinge nennen, die unabdingbare Vorraussetzung für ein erfolgreiches Training, egal auf welchem Niveau und mit welchem Ziel, sind: TOP 1 ist Kontinuität; Trainingsausfälle von z.B. 2-3 Wochen werfen die Trainierenden oft bis auf das Ausgangsniveau zurück, daher ist ein Einhalten der Trainingshäufigkeit besonders wichtig. Der Körper muss kontinuierlich mit Trainingsreizen konfrontiert werden um Adaptionsprozesse in Gang zu setzen und mit Leistungssteigerung (auch Gewichtsreduktion) zu reagieren. TOP 2 ist Überwindung; läuft das Training immer nur im steady state Bereich ab, also im noch angenehmen Intensitätslevel ab, ist der Reiz zu gering und das Potential eines workouts wird nicht ausgereizt. Nur wer Belastungsschmerzen ab und zu überwindet und sich an unbekannte Intensitäten herantraut, verschiebt seine Grenzen nach Oben und erreicht ein gutes Ergebnis. Qualität vor Quantität!
